Auf bewährtem bauen – Die denkmalgeschützte Immobilie

Die Spinnerei Hammersen
Ein bedeutender Teil der Bocholter Stadtgeschichte

Seit 1898 hat das viergeschossige kubische Backsteingebäude der ehemaligen Spinnerei Hammersen seinen festen Platz in Bocholt. Das imposante, nach englischem Vorbild errichtete Gebäude an der Werther Straße stammt aus der Blütezeit der Bocholter Textilindustrie, hat zwei Weltkriege überlebt und steht seit 2002 unter Denkmalschutz.

Historisches Bauwerk von 1898

Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Haupthaus mit seinen charakteristischen Flachbogen-Fenstern gebaut und etwa sieben Jahre später um einen nach Süden ausgerichteten Anbau erweitert. Bis zum Jahr 1916 war in dem großzügigen Gebäude die Baumwollspinnerei Rothe Erde beheimatet. Nach deren Stilllegung ließ sich hier 1918 die Osnabrücker F. H. Hammersen AG mit einer Zweigstelle nieder. Seitdem ist das historische Bauwerk untrennbar mit der Spinnerei Hammersen verbunden.

Mut und Pioniergeist

Gründer der Weberei und Spinnerei Hammersen war Friedrich Heinrich Hammersen. Mit 50 Mitarbeitern, 45 Webstühlen sowie reichlich Mut und Pioniergeist hob er im Jahr 1869 sein Unternehmen in Osnabrück aus der Taufe. Der Zeitpunkt war gut gewählt, denn der Bedarf an Baumwolle war weltweit enorm gestiegen. So entwickelte sich die F. H. Hammersen AG in den folgenden Jahrzehnten zu einem der größten Unternehmen der Textilindustrie. Neben dem Stammwerk in Osnabrück entstanden Niederlassungen in Bocholt, Rheine, Rheydt und Riesa.

Von der Blütezeit zum Strukturwandel

Im Jahr 1935 fusionierte Hammersen mit der Augsburger Dierig AG, blieb danach jedoch weitgehend selbstständig. Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Stammsitz in Osnabrück stark in Mitleidenschaft gezogen. Am Ende war das Gebäude zu 90 Prozent zerstört und musste mühsam wieder aufgebaut werden. Die internationale Liberalisierung der Märkte für Bekleidung führte in den neunziger Jahren zum Strukturwandel in der Textilindustrie. Zahlreiche Unternehmen mussten schließen. Im Jahr 1981 schloss auch das Osnabrücker Hammersen-Werk seine Tore. Die Spinnerei Hammersen in Bocholt hielt den Veränderungen jedoch noch lange Zeit stand. Die letzten Spindeln hörten hier erst im März 1993 auf sich zu drehen.